Schwestern und Brüder
vom heiligen Benedikt Labre e.V.

Gemeinsam mit den Freunden von der Straße

 

Unterwegs mit der „Möwe Jonathan“

Teefahrer-Geschichten

In loser Folge berichten Teefahrer zukünftig unter „Aktuelles“ über ihre Erlebnisse und Erfahrungen beim Teefahren. Die Berichte bleiben dann im Kapitel „Tee-Ausfahren“ gesammelt erhalten.

Den Anfang macht Wolfgang Sréter.

Neue Teefahrer-Geschichten von Toni Egle, Robert Zimmermann, Maria Jung,

———————-

Gottesdienste in unserer Hauskapelle

In der Pommernstraße Donnerstags, 7.30 h,  (Mitarbeiterkreis),  vierzehntägig freitags, 18.30 h mit Gästen, Auf den Schrederwiesen einmal pro Monat Dienstag, 18.30 h mit Gästen  (noch mit Beschränkung der Anzahl). Hier beten wir gemeinsam für unsere Freunde von der Straße, für alle uns verbundenen Menschen, besonders für alle Kranken in dieser Zeit.

(Hier klicken für Termine und weitere Informationen zu unserem Gottesdienst)

———————————-

Flohmarkt  –  wieder geöffnet!

Wie auch der Einzelhandel öffnen wir nach den Regelungen der Stadt: Wir freuen uns, Sie wieder – mit Maske und Abstand -begrüßen zu dürfen.

Abgabe von Flohmarkt-Artikeln weiterhin nur Mittwochs und Donnerstags, Vormittags, Auf den Schrederwiesen 22.

———————————

 

Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der sich in München um die Obdachlosen kümmert. Vor über 30 Jahren begann Walter Lorenz jede Nacht die Menschen auf der Straße zu besuchen und brachte ihnen Suppe, Brot und Tee. Bald bildete sich ein ehrenamtliches Team: jeden Abend besucht unser Teebus, die Möwe Jonathan, unsere Freunde auf der Straße.

1985 haben wir unser erstes Haus bezogen, in dem wir mit Menschen, die früher obdachlos waren, in einer Wohngemeinschaft zusammenleben. Mittlerweile haben wir zwei Häuser, in denen jeweils eine Gruppe von ehemals Obdachlosen und eine Gruppe der Hausleitung (Grundgemeinschaft) zusammenwohnen.


Haus vom hl. Benedikt Labre
Pommernstraße 30, 80809 München

Haus vom hl. Vinzenz von Paul
Auf den Schrederwiesen 22, 80995 München

Die Häuser sind umgeben von Blumen- und Gemüsegärten. Auf dem Grundstück unseres Hauses Auf den Schrederwiesen haben wir einen großen Holzplatz, eine Schreinerei und eine Kerzenwerkstatt eingerichtet. Jeden Samstag findet in einer großen Halle, die wir selbst mit unseren Mitbewohnern gebaut haben, ein Flohmarkt statt.

Aktuelle Themen

Teefahrer-Geschichte von Maria Jung

19. Oktober 2021

Ich heiße Maria Jung und bin seit April 2019 beim Teefahren dabei. Über die Seite Tatendrang München, die ehrenamtliche Tätigkeiten vermittelt, wurde ich auf die „Möwe Jonathan“ aufmerksam.

Ich bin Soziologin, habe in Konstanz und München studiert und arbeite im Bereich Kommunikation/Marketing. Ich bin 29 Jahre alt, lebe in Haidhausen und gehe liebend gerne in die Berge zum Wandern, treibe gerne Sport (Radeln, Boxtraining, Tanz) und gehe gerne ab und zu ins Theater.

Ich möchte einen Beitrag leisten, dass es Menschen in prekären Situationen besser geht. Wie oft läuft man an Menschen auf der Straße vorbei, hat ein Gefühl im Bauch dass man „doch etwas tun müsste“. Und das wollte ich, denn irgendwo muss man anfangen. Ich finde es wichtig und schätze es, eine feste Konstante im Leben unserer Freunde der Straße zu sein, ihnen mit Respekt zu begegnen und ihnen sei es mit einer Tasse heißem Tee oder Broten ein Stück mehr Lebensqualität zu geben.

Zahlreiche Gespräche, die mit Tränen in den Augen enden – allerdings vor Lachen auf unserer Seite sowie auf Seiten der Freunde der Straße. Bei jeder Fahrt trifft man auf freudige „alte Bekannte“, die schon auf unser Duo warten und sich – falls wir mal im Urlaub sind – sorgen, wo wir bleiben.

Einmal haben wir Kollegen Franz mit sehr viel Mühe aus seinem Rucksack befreit, in den er regelrecht eingeklemmt und gefangen war. Er hatte sich selbst eine Konstruktion gebaut, damit man ihn ihm nicht beim Schlafen vom Rücken klaut – wahrlich ein Hochsicherheitsgebilde.

Regelmäßig werden wir von Christoph mit Blumen überrascht, Georg mag keine Schokolade und schenkt uns ab und zu ein Twix, die er von der Tafel geschenkt bekommt – so haben manche das Gefühl, uns etwas zurückgeben zu können, was wir natürlich nie verlangen würden.

Eine Gruppe bulgarischer Saisonarbeiter, die schon in sehr betagtem Alter waren, haben sich eine kleine Musikbox bei eisigen Wintertemperaturen aufgestellt und zu „stayin alive“ von den BeeGees getanzt. Sie waren herrlich gut drauf und so haben wir uns anstecken lassen und für ein paar Minuten mitgetanzt. Die Füße wurden schnell warm, ein schöner Nebeneffekt.

Selten kommen unschöne Erfahrung dazu, bei denen man die körperlichen und mentalen Folgen durch Alkoholkonsum und fehlende Sozialkontakte beobachten muss und nichts tun kann. Teilweise wird man dann beschimpft, es wurde schon mit einem Brot nach uns geworfen oder uns gesagt, wie unverschämt man sei. Das ist und bleibt aber die Ausnahme.

Die Menschen sind mir teilweise sehr ans Herz gewachsen sind. Die Gespräche und oftmals das viele Lachen bei den Fahrten, einen Beitrag zu leisten und nicht wegzusehen – das alles hält mich weiter in diesem Ehrenamt.

Ich fahre seit über zwei Jahren als festes Team gemeinsam mit meinem Partner Thomas Jörg. Das Teefahren ist eine feste Konstante für uns und stärkt uns in unserer Beziehung – wir lernen voneinander, übereinander und stützen uns in schwierigeren Situationen beim Teefahren. Ich habe gelernt, dass ein stabiles und gesundes Umfeld, die Familie und Freunde sehr wichtig sind, um Hürden im Leben zu meistern. Das schätze und pflege ich seit dem Teefahren noch mehr als zuvor. Wichtig ist es, jedem Menschen würdevoll und mit Respekt zu begegnen, denn niemand ist gefeit vor Schicksalsschläge, die das Leben auf den Kopf stellen können – unabhängig von dem Leben, das man bis dahin geführt hat.

Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte, man darf nicht die Menschen auf der Straße über einen Kamm scheren und von „ihnen“ sprechen. Ich habe darüber hinaus gelernt, wie sehr äußere Umstände Menschen prägen und verändern können, sodass Narben bleiben die nicht mehr weggehen und oftmals den Lebensmut nehmen.

Ich war als Kind jahrelang Messdienerin in der katholischen Kirche. Seit einigen Jahren bin ich allerdings aus der Kirche ausgetreten, was meine Tätigkeit beim Teefahren in keinerlei Weise beeinträchtigt oder beeinflusst – ich fahre aus Überzeugung und schätze es sehr, dass ich unabhängig meines Glaubens von der Gemeinschaft beim Teefahren aufgenommen werde und nie danach gefragt/bewertet wurde und werde.

Ich habe einen wahnsinnigen Respekt vor der Arbeit der Hauptamtlichen, vor der Geduld und der Wahmherzigkeit, mit der das Ganze organisiert und geleite wird. Ihr leistet einen sehr wertvollen Beitrag und seid die Seele, der Möwe Jonathan. Schön, dass es euch gibt!

 

 

Teefahrer-Geschichte von Robert Zimmermann

13. Oktober 2021

Robert Zimmermann, Jahrgang 1970
Firmeninhaber INTERPAGEmedia (Internetagentur)

Das habe ich alles meiner Oma zu verdanken!
Schon in meiner Jugend hörte ich von meiner Oma (Hilde Schwaiger), dass sie öfters beim Teefahren für Obdachlose ist. Sie müsste so 1986 / 87 angefangen haben, also kurz nachdem Walter „Benedikt Labre“ gegründet hat.  Da war ich gerade 17 Jahre alt. Ich konnte mir darunter noch nicht so viel vorstellen. Mit Benedikt Labre und Walter bin ich dann auf dem Flohmarkt an den Schrederwiesen das erste mal in Berührung gekommen, da ich in der Zeit meine Oma (die auch auf dem Flohmarkt viel gearbeitet hat) hier öfters besucht habe. So ist also der erste Kontakt entstanden.

Seit der Zeit war ich mal mehr, mal weniger oft auf dem Flohmarkt, um meine Oma zu besuchen und natürlich auch um in den Flohmarktsachen zu kruschteln. Irgendwann (viel später) hatte mich der Verein Benedikt Labre auch beauftragt, eine Website  zu programmieren. So bin ich auch mit der Pommernstraße, mit Walter und Annegret, in Kontakt gekommen und auch, mit langen Pausen, geblieben.

Meine Oma Hilde ist leider 2011 gestorben. Der lose Kontakt zu Benedikt Labre blieb sowie die Erinnerungen an die „guten Taten“ meiner Oma.

Sehr viel später (Ende 2016) wollte ich mich zum einen sozial engagieren und zum anderen natürlich wissen, wie das damals bei meiner Oma war mit dem Teefahren. Meine Idee war, an Silvester 2016 Tee zu fahren statt zu böllern. Nachdem der Tee-Bus 363 Tage im Jahr fährt, aber ausgerechnet an Weihnachten und Silvester nicht, hätte ich meine Teefahr-Tour auf unbestimmte Zeit verschoben. Aber Annegret rief dann relativ schnell an, dass sie für den Freitag vor Silvester noch jemanden brauchen würden und ob ich da nicht schon mit fahren will. Zugesagt und mitgefahren. So war am 30.12.1916 meine erste Tee-Ausfahrt oder besser Mitfahrt mit Toni Egle.

Seitdem fahre ich regelmäßig, erst zweimal, inzwischen einmal im Monat mit dem Tee-Bus durch München. Es ist eine sehr schöne und dankbare Aufgabe. Jede Teefahrt erdet mich wieder ein Stück mehr und macht viel Spaß. Inzwischen kennt man auch die Menschen und die Plätze sehr gut. Und bei jeder Tee-Tour fährt in Gedanken meine Oma mit. Es ist schon sehr heilend, die Gesellschaft von dieser Seite kennen zu lernen, zu wissen dass es Menschen in unserer Stadt gibt, die fast nichts haben und auf das angewiesen sind, was wir oder andere Organisationen ihnen an Essen und Kleidung zur Verfügung stellen. Da relativiert sich einiges im eigenen Leben. Plötzlich ist vieles nicht so wichtig wie es vorher schien.

Danke Hilde!